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Modest Mussorgski: Lieder und Tänze des Todes.

Modest Mussorgski: Lieder und Tänze des Todes, 1875

 

Kostenloses Download des Players: www.real.com

 

 

Text von Arseny Arkad'yevich Golenishchev-Kutuzov (1848-1913)


Trepak (Russischer Tanz)

Wald, öde Heide, kein Haus weit und breit;
Sturm ruft mit klagendem Munde,
Grad als ob einen zu Grab er geleit,
Einsam, in nächtiger Stunde.
Ja, so auch ist's!
Müden Schritts wankt ein Mann,
Mit ihm der Tod auf der Reise;
Faßt ihn und tritt zum Trepak mit ihm an,
Raunt ihm ins Ohr dabei leise:

«Kamst wohl, mein Bäuerlein aus der Schenke?
Trankst dir ein Räuschlein dort an, ich denke...
Windsbraut dann, die Hexe,
Trieb zum Waldgehege fort dich in die Wildnis,
Ab vom rechten Wege!
Schleppst ja noch kaum mehr die matten Glieder.
Komm, leg ein wenig zur Rast dich nieder!
Sollst gar warm und weich bedeckt,
Mein Freund, hier liegen,
Will mit Spiel und Tanz in süßen Schlaf dich wiegen:
Schütt, du Schneesturm, ihm hoch das Bette!
Auf! rüst ihm sorglich die Ruhestätte!
Wollt ein Lied ihm singen,
Ihr beschneiten Bäume,
Daß von holden Dingen
Meinem Schläfer träume!
Senket, ihr Wolken, herab vom Himmel
Eurer flaumigen Flocken Gewimmel,
Daß wie sanft das Kindlein ruht
In weißen Windlein, also ohne Kummer
Er auch lieg' in Schlummer.
Schlaf, Liebling du,
Schlaf in Ruh, mein Bauer.
Sommer ist nah, Lenz ist da!
Aus blauer Höhe lacht die Sonne,
Alles blüht in Wonne!
Froh die Lämmlein springen
Und die Vögel singen... »


Wiegenlied

Wimmerndes Stöhnen, das Kind liegt im Fieber;
Einsam die Mutter noch wacht.
Sachte verglimmt schon das Licht immer trüber,
Bald ist vorüber die Nacht.

Da, in des Morgenscheins dämmerndem Grauen
Pocht an die Türe der Tod!
Auf fährt die Mutter, entsetzt, ihn zu schauen...

«Hast zu erschrecken nicht not!
Kaum hältst du auf mehr die sinkenden Lider,
Fallen ermattet dir zu;
Bist ja so müde, so lege dich nieder;
Ich bring dein Kind schon zur Ruh!
Kennst nicht die richtigen schläfernden Lieder,
Ich kenn ein besseres als du!»
Stille! o sieh, wie es qualvoll sich windet,
machst ihm nur größere Pein!
«Wart nur, gar bald bei mir Ruhe es findet.
Schlafe, mein Kindchen, schlaf ein!»
Starr seine Augen und bleich seine Wangen,
Laß dein Singen, laß sein!
«Gutes kündet's, sein Leid ist vergangen.
Schlafe mein Kindchen, schlaf ein!»
Fort, du Entsetzlicher!
Mit deinem Liede tötest mein Kind du, halt ein!
«Nein, schon umschattet es himmlischer Friede.
Schlafe mein Kindchen, schlaf ein!»
Wehe! Hab Mitleid doch!
Schon' meinen Kummer!
Schweige, erbarme dich mein!
«Siehst du, da liegt es und lächelt im Schlummer.
Schlafe, mein Kindchen, schlaf ein!»


Ständchen

Blühende Frühlingsnacht,
Dämmernd ins Zimmer,
Wundersam raunet und rauscht...
Hold überglänzt von des Mondenlichts Schimmer
Schlaflos die Kranke ihr lauscht.
Heiß lohen fiebrig ihr Augen und Wange,
Heiß Lebensglut sie durchloht;
Doch unterm Fenster, mit schmeichelndem Sange,
bringt ihr sein Ständchen der Tod.

«Hoffnungslos schmachtend,
In Kerker und Ketten,
Welkt deine Jugend dahin;
Ich will dein Ritter sein, will dich erretten,
Hab nur dein Bestes im Sinn!
Auf! sieh im Spiegel dein Bild:

Deine Wangen blühen in rosigem Glanz,
Und dein Stirne in nächtigem Prangen
Flicht schwarz Gelock seinen Kranz.
Heiß deiner Augen Blick, brennend, versehrend,
Mehr noch als Mittages Glut;
Heiß deiner Lippen Hauch,
Schwül und verzehrend,
Hast mir entzündet das Blut!

Dir auch entflammte mein Singen die Sinne,
Sehntest dir Rettung herbei,
Daß dir die Freiheit ich, mir dich gewinne:
Ganz mir zu eigen nun sei!

Zart ist dein Leib, wie berückt mich sein Beben,
Schließ fest und fester dich ein in meine Arme,
Den Brautkuß dir geben laß mich... o Glück,
Du bist mein!»


Der Feldherr

Geschütze donnern, Hörner schmettern,
Es tobt die Schlacht in wilder Wut,
Der Kriegslärm dröhnt gleich Sturmeswettern,
In roten Strömen fließt das Blut.
Der Mittag brütet noch kein Ende;
Die Sonne sinkt der gleiche Mord;
Der Abend dämmert keine Wende im Streit,
Nur heißer währt er fort.

Es senkt die Nacht sich kühl und milde,
Jetzt räumt die Walstatt, wer entrann...
Still ist es, nur vom Kampfgefilde
Steigt dumpfes Stöhnen himmelan.
Da sieh! im bleichen Mondenscheine,
Auf seinem hohen fahlen Roß,
Schneeweiß, die knöchernen Gebeine,
Erscheint der Tod!
Mit ihm als Troß ein Rabenschwarm,
Kommt er geritten,
Der wahre Feldherr er und Held!
Mit langsam feierlichen Schritten
Umzieht er stolz das Leichenfeld.
Auf einem Hügel faßt er Posten,
Den grausen Anblick recht zu kosten...
Dann seine Stimme er erhebt
Und ruft, daß rings die Erde bebt:

Aus ist der Kampf nun!
Der Sieg nun entschieden!
Mir nur erlagt ihr, ihr Tapfren im Streit!
Krieg schuf das Leben euch,
Ich geb euch Frieden.
Auf jetzt, ihr Toten, zur Heerschau euch reiht!

Einmal zum Festesmarsch zwingt noch die Glieder,
Daß ich mich freu der gewaltigen Schar;
Dann legt zur Ruhe, ihr Braven, euch nieder,
Habt sie euch redlich verdienet, fürwahr!
Kennt auch im Laufe der fliehenden Jahre
Bald eure Namen kein Irdischer mehr,
Ich doch euch stets im Gedächtnis bewahre,
Treu euer Andenken ewig ich ehr':

Tanz in der Mitternacht,
Dunkel und Schweigen
Ob eurer Ruhestatt, feiernden Reigen,
Tanze und stampfe den Boden so fest,
Daß euer keiner sein Grab je verläßt!

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Anschrift

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