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0 Mensch, betracht die Welt

0 Mensch, betracht die Welt, 18. Jahrhundert

 

 

0 Mensch, betracht die Welt
Mit ihrer schnöden Eitelkeit,
Gar schlecht sie mir gefällt.
Bleibt etwas eine kleine Weil,
So kommt der Todt mit seinem Pfeil
Und macht's mit ihm ein End.

Wo ist ein hohes Haupt
Allhier auf dieser Erden,
Das nicht vom Todt wird graubt?
Wo bleibt die liebe Geistlichkeit?
Im gringsten ist sie nicht befreyt
Vorm Todt und seiner Gwalt.

Ihr Majestät muss auch daran,
Er will Ihr nicht verschonen,
Der lange Aschen-Mann.
Was fragt er nach der Reiches-Cron?
Was fragt er nach dem hohen Thron?
Das Scepter ist schon hin.

Ihr Könige, kommt herfür!
Er lässt euch nicht passieren,
Steht schon vor eurer Thür.
Hat er des Kaysers nicht verschont,
So seyd ihr auch in seiner Hand.
Macht bald, ihr müsst mit ihm.

"Mein lieber, langer Todt,
Noch einen thust du suchen.
Wer ist's? dem gnade GOtt."
"Komm her doch, mein lieber Chur-Fürst,
Nach dir hat mich schon lang gedürst,
Komm her, lösch mir den Durst."

Von altem, hohem Stamm,
Bist zwar ein Graff gebohren,
Was hilft's, du musst auch dran.
"Weil ich denn jetzund sterben muss,
Wohlan, so hab ich kein Verdruss,
Der Todt schont keinem nicht."

"0 Frey-Herr, komm herbey!
Ich lass dich nicht passieren,
Oh schon meynst, du seyst frey.
Wann gleich ein Frey-Herr bist genannt,
Hab ich dich doch in meiner Hand,
All Freyheit ist dahin."

"Komm, Junker Edelmann,
Thu dich nicht lang bedencken,
Komm her zum Aschen-Mann!
Obschon der Adel noch so gut,
Mach ich mich dran mit frischem Muth,
Kein Adel schon ich nicht."

"General, du frischer Held,
Der du im Feld behertzt daselbst
Zu Fuss und Pferd bestellt,
Willst du denn auch noch nicht herfür,
Der Todt gibt dir gar kein Quartier,
Wann schon gut kayserisch bist."

"Doctores Medici,
Was thut ihr speculieren?
Ihr müsset auch herfür
Und hört nur auff zu disputieren,
Ich thu euer keiner conservieren,
Rechne euch allesamm."

Burgermeister und Raths-Herren,
Die thun im Rath-Haus sitzen,
Zehlen die Steuer her.
Sie zehlen viel tausend Gulden auss,
Der Todt macht Thür und Schlösser auff,
Legts Geld und geht mit ihm.

"Mein Todt, ein Mahler ich bin,
Die Kunst hab ich gelernt,
Nimm mich doch nicht dahin!
Gar schön will ich dich mahlen ab,
Von Gold soll sein dein schönes Grab.
Hilft nichts, ich muss mit ihm."

"Ein frischer Jäger ich bin,
Gehör in die Frey-Künste,
Die Weisheit sind mein Sprüng."
"Was hilfft's, wann mir ein Hirschen fangst,
Ich will dir bald einjagen Angst,
Erwitschen dich beim Kopf."

"Hierauf in diesem Hauss,
Da sitzen Musicanten,
Die müssen auch herauss,
Die Lauten klingt zwar mächtig schön,
Was hilfft's, ihr müsst auch mit mir gehn,
Ich spreng die Säiten ab."

"Mein lieber Handwerke-Mann,
Du thust zwar gut arbeiten,
Was hilfft's, du musst doch dran.
Leg hin die Nadel und die Scheer,
Der Tod braucht keine Kleider mehr,
Wann's schon Frantzösisch seyn."

"Mein lieber Bauersmann,
Bist zwar von schlechtem Stammen,
Was hilfft's, du must doch dran."
" Mein lieber Todt, lass mich doch leben,
Ich will dir ein braun Ochsen geben,
Darzu mein schwartze Kuh."

"Mein Bauer, da hilft kein Bitt,
Ich nehme kein Schenkage an,
Kein Ochsen brauch ich nicht.
Ich iss kein Fleisch, trink auch kein Bier,
Lass stehn den Pflug und geh mit mir,
Der Sarg steht vor der Thür."

"Hört, Jungfrau schön und zart,
Gar schön seyd ihr gezieret
Nach Jungfräulicher Art.
Hier bring ich euch den schönen Krantz;
Macht bald, ihr müsst mit mir zum Tantz,
Dort steht ein schwartzer Sarg."

"0 Jüngling hübsch und fein,
Den thu ich nicht vergessen,
Du seyst gross oder klein.
Im Kirchhof steht ein schwartze Bahr,
Da ligt ein schöne Jungfrau zart,
Du must auch zu ihr nein."

Ein jeder Bergmann fein,
Der sich erfreuet alles guts,
Fährt in die Grub hinein,
Mit frischem Muth kommt wieder herfür,
Der Todt gibt ihm gar kein Quartier,
Er muss auch mit ihm dran.

Dort sitzt ein Bättelmann,
An Händ und Füssen ist er krumm,
Und war dazu auch stumm.
Was will der Todt doch mit ihm thun?
Er ist vorhin getroffen gnug,
Er muss doch sterben auch.

So ist der Welt ihr Lauff.
Nichts anders thut man sehen
Im gantzen Menschen-Hauff.
Der Todt nimmt hin alt, reich, jung, arm,
Wann mann gleich schreyt: dass GOtt erbarm!
Er metzget alls dahin.

Ach wohl dem Menschen, wohl,
Der da fein sanfft und seelig
Im HErren sterben soll.
Jesus sey unser Trost und Freud
Und hol uns all nach dieser Zeit
In ewigen Freuden-Saal.

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