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Sabine Kroggel: Leben Liebe Tod

Leben Liebe Tod

"Leben Liebe Tod" heißt das Bild der Düsseldorfer Künstlerin Sabine Kroggel auf dem Titelblatt des Polizeiseelsorge-Kalenders 2009. Ein intensives Bild in rötlich-braunen und weißen Tönen, das den Betrachter unwillkürlich in seinen Bann zieht. Auf den ersten Blick will es so gar nicht zu den guten Wünschen für das Weihnachtfest und das nächste Jahr passen und weckt vielleicht sogar Widerwillen.

Widerwillen, weil der Tod, den wir so gerne verdrängen, sich uns hier aufdrängt.
Der Rumpf eines Skelettes mit weißlichem Schädel im rechten Vordergrund des Bildes blickt uns aus dunklen Augenhöhlen an und fällt damit ganz besonders ins Auge. Es ist offenbar der "persönliche" Tod, der den Mann, den wir nur von hinten sehen können, schon zu Lebzeiten begleitet. Auch hinter der jungen Frau, die dem Betrachter zugewandt ist, lauert ihr Tod in Form eines Knochengerippes. Es scheint zu tänzeln.

Der Tod als allgegenwärtiger Begleiter – Menschen in der Polizei muss man nicht daran erinnern, dass der Tod allgegenwärtig ist. Schließlich zeigt er sich im Berufsalltag ständig bei Verkehrsunfällen, plötzlichem Kindstod und bei Gewaltdelikten. Und doch erliegen Polizistinnen und Polizisten, ebenso wie Pfarrerinnen und Pfarrer dem Irrglauben, dass das eigene, persönliche Leben vom Tod und den Vorboten des Todes, der Krankheit, verschont bleiben würde. Frei nach dem Motto "Nein danke, wir sterben nicht!" Als könnten wir den Tod zum gegebenen Zeitpunkt zurückweisen und ihn wieder fortschicken.

Einerseits ist es gut und richtig zu verdrängen, dass wir sterben müssen. Wir können nicht jeden Tag so gestalten, als sei es unser letzter. Aber wir sollten andererseits auch nicht jeden Tag so leben, als wäre es nur einer von unendlich vielen.

Unsere Vorfahren haben Bilder, wie auf unserem Kalender, genutzt, sich in Erinnerung zu rufen, dass unser Leben endlich ist und der Tod zu unserem Leben dazu gehört. Der Sinn solcher "Todeserinnerung" war es nicht, vor Angst vor dem eigenen Ende zu erstarren, sich lähmen und vom Leben abhalten zu lassen, nicht depressiv und schwer zu werden. Im Gegenteil: sich die eigene Endlichkeit vor Augen zu führen, kann eine wunderbare Form der Lebensbejahung sein. Wie nichtig erscheint vieles, wenn wir es im Licht des eigenen Todes sehen? Wie bedeutungslos wird mancher Konflikt mit Vorgesetzten? Wie wenig fällt die Ungerechtigkeit bei der letzten Beurteilungsrunde noch ins Gewicht, wenn ich sie in Relation zu meinem Sterben setze?

Mir verhilft der Gedanke an meinen eigenen Tod, der mich unweigerlich ereilen wird, manchmal zu mehr Gelassenheit und manchmal dazu, besser zu wissen, was mir wirklich wichtig ist in meinem Leben.

"Leben Liebe Tod" – Der Blick auf den Tod als Hilfsmittel zum wahrhaftigen Leben und zur Liebe. Konzentriert man sich bei dem Kunstwerk nur auf die beiden Personen in der Mitte, so sähe man das unschuldige Bild eines jungen Liebespaares. Mit den Skeletten wird die Liebe einerseits gefährdeter, andererseits bekommt sie ein viel größeres Gewicht. Ohne die Liebe ist alles nichts!

Deshalb also das provokante Bild zum Jahreswechsel. Zu Weihnachten ist Gott Mensch geworden und hat sich damit dem Tod ausgesetzt. Doch mit Ostern hat er den Tod überwunden. Christus spricht: Ich lebe, und ihr werdet auch leben. (Joh. 11,25)
Mit dieser Zusage wünsche ich uns für das Jahr 2009, dass wir angesichts des Todes klug werden, unser eigenes Leben lebendig und in Liebe zu leben.

Landespfarrerin Claudia Kiehn
Polizeiseelsorge
Evangelische Kirche im Rheinland

Anschrift

Europäische Totentanz-Vereinigung, Dr. Uli Wunderlich, Josephstr. 14, D-96052 Bamberg
Telefon +49 951 2972832, Fax +49 951 2972859, Mail: webmaster@totentanz-online.de