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Totentanz des Monats

Totentanz des Monats Februar 2019:
Im Ronacher, nicht in Wien, sondern Unter den Linden in Berlin


"Eros Thanatos" ist ein großer Unbekannter der makabren Kunst. Die Mappe von 1921 misst fast 50 x 41 Zentimeter. Innen finden sich neben dem zweifarbigen Titelblatt, ein 111 ungereimte Verse umfassendes Gedicht, ein Bestellformular mit Preisangabe sowie zwölf Holzschnitte, deren Reihenfolge keineswegs feststeht.

Jedes Blatt nennt rechts unten das Entstehungsjahr und den Namen des Künstlers. Arminius Hasemann war ein Kenner des Berliner Nachtlebens. Er dachte mit und zeigt, wie sich Überlebende des Ersten Weltkriegs am Vorabend der Hyperinflation verhielten. Erst der Text von Felix Lorenz, Redakteur beim "Berliner Tagblatt", vereint klassische Bildung und Sittenkritik.

So lässt sich die Bilderfolge rekonstruieren: Erst ist Hasemann im Atelier als Bildhauer und Maler zu entdecken. Er ringt die Hände, weil der Tod zugreift. Dann führt Thanatos im Abendanzug eine junge Dame alias Eros in ein Nachtlokal. Sie soll dort Geld verdienen. Er tritt als Geiger auf. Mehrere Quellen sprechen dafür, dass es sich um das Berliner Café Ronacher handelt. Angeblich traten dort neben Sängern und Tänzern auch Akrobaten auf.

Heinrich Mann zitiert im 1918 gedruckten Roman "Der Untertan" auf Seite 140: "Unsre lieben süßen Dam'n, zeigen alles, was sie ham'n". Wenig später berichtete die Presse über Nackttanz in Berlin. Die Heesters-Biographie von Jürgen Trimborn beschreibt das erwähnte Lokal als Tummelplatz Prostituierter beider Geschlechter.

Mehrere Holzschnitte sprechen für gesetzeswidrig genutzte Nebenräume. Ebendort geht es um Drogen, Glücksspiel, eine kriminelle Organisation und Sex, ja sogar um Euthanasie. Einmal setzt das Skelett seine Waffe an wie ein Chirurg und tötet einen alten Herrn mit exaktem Hieb oder Stich in die Halswirbelsäule.

Zum Abschluss stellen drei Kreuze die biblische Hinrichtungsstätte Golgatha dar. Felix Lorenz schreibt drei Jahre nach dem Ersten Weltkrieg dazu: "Aber endlich kommt Morgenhelle, │ Spielt der Tod ein versöhnlich Lied │ Auf dem Stamme des Kreuzes │ Seinen Kindern, den lichtentwöhnten, │ Und in höheren Sphären │ Blüht aus Eros wieder göttliches Leben auf!"

Unsere Zeitschrift "Totentanz aktuell" 238 bietet auf 20 Seitten weitere Informationen.



Frühere Totentänze des Monats:

Anschrift

Europäische Totentanz-Vereinigung, Dr. Uli Wunderlich, Josephstr. 14, D-96052 Bamberg
Telefon +49 951 2972832, Fax +49 951 2972859, Mail: webmaster@totentanz-online.de